Das Wetter ist lausig, welcher Reporter hat da schon Lust vor die Tür zu gehen? Deshalb: Lesearbeit. Da ich die wunderbare Reihe “The Best American Magazine Writing” schon im Reporterregal vorgestellt habe, nur die besten Geschichten der aktuellen Ausgabe im Schnelldurchlauf.
Tödliche Entscheidungen im Krankenhaus
Es war erwartbar: Der Band beginnt mit der Reportage “The Deadly Choices at Memorial” von Sheri Fink. Die Reportage hat bereits den Pulitzer-Preis für “Investigative Reporting” gewonnen, jetzt hat sie auch noch den National Magazine Award for Reporting bekomen. Fink rekonstruiert auf knapp 40 Seiten die tragischen Ereignisse, die sich in einem Krankenhaus in New Orleans, nach dem Hurrikan “Katrina” ereigneten. Die Ärzte und Krankenschwestern des Memorial-Medical-Centers entschieden sich mehreren Patienten tödliche Injektionen zu verabreichen. Eine Evakuierung der Patienten erachteten sie als zu schwer. Von allen tragischen Ereignissen während “Katrina”, ist dieses besonders verstörend. Fink hat für das Stück zwei Jahre lang recherchiert und mit über 140 Personen gesprochen. Der Text erschien zwar im New York Times Magazine, finanziert und ermöglicht hat ihn aber die Stiftung Pro Publica.
Der Hass der Abtreibungsgegner
Auch im Feature von John H. Richardson geht es um Leben und Tod. Für das Stück “The Last Abortion Doctor” hat Richardson den Arzt Warren Hern besucht, der auch noch Abtreibungen durchführt, wenn die Schwangerschaft weit fortgeschritten ist. Da kürzlich ein Kollege ermordet wurde, ist Warren Hern der letzte last abortion doctor und das verändert sein Leben:
For thirty-six years, Warren Hern has been one of the few doctors in America to specialize in late abortions. George Tiller was another. And when Dr. Tiller was murdered that Sunday in church, Warren Hern became the only one left.
Das Stück beschreibt den Hass und die Gewalt der Abtreibungsgegner mit dem der Doktor umgehen muss:
He talks fast and doesn’t smile. It is my view that we are dealing with a fascist movement. It’s a terrorist, violent terrorist movement, and they have a fascist ideology… He goes on like that for some time. Long before the first doctor got shot back in 1993, he was warning that it would happen. He was getting hate mail and death threats way back in 1970, just for working in family planning. They started up again in 1973, two weeks after he helped start the first nonprofit abortion clinic in Boulder. I started sleeping with a rifle by my bed. I expected to get shot [...] In 1988, somebody fired five bullets through his window.
Todesstrafe für einen Unschuldigen
David Grann erzählt im New Yorker die Geschichte von Cameron Todd Willingham. Er wurde zum Tode verurteilt, weil er angeblich ein Feuer gelegt hat, bei dem seine drei Töchter starben. 2004 bekam er dafür die Todesspritze in Texas. Willingham hat bis zu seinem Tod immer wieder seine Unschuld beteuert. Grann geht den Versäumnissen der Brandstiftungs-Experten nach und zeigt mithilfe neuerer Untersuchungen, dass Willingham unschuldig war. Das Urteil basiert auf mangelhaften forensischen Untersuchungen, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Die Behörden in Texas haben offenbar einem Unschuldigen die Todesspritze verabreicht.


Ich arbeite als freier Journalist in Berlin. Meine Schwerpunkte sind Bildung, Politik und Stadtkultur. Erfahren Sie mehr