Kaum eine Branche beschäftigt mehr Praktikanten. Sie schreiben für die Zeitung, füllen Websites, produzieren Radiobeiträge. Alles meist lernwillig und unbezahlt. In der Interviewreihe berichten sie von ihren Erfahrungen. Welches Praktikum hat sich gelohnt, welches nicht. Wie landet man einen Praktikanten-Scoop und was bleibt vom Medienrauschen?
Beim Cicero-Magazin wollte Gina Online-Journalismus lernen. Stattdessen rückte sie Möbel hin und her. Wenn sie etwas beim Cicero gelernt hat, dann, dass man sich als Frau durchbeißen muss.
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Das Interview im Text nach dem Klick.
Gina, wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei so einem Autorenmagazin um ein Praktikum zu bewerben?
Ich habe mich nicht direkt beim Magazin beworben, sondern in der Online-Redaktion des Cicero. Ich fand es einfach spannend Online-Journalismus kennen zu lernen. Vorher war ich bei Tageszeitungen, Magazinen, auch beim Fernsehen habe ich mal ein Praktikum gemacht und dachte Online-Journalismus ist eine gute Ergänzung.
War es schwer an das Praktikum zu kommen?
Eigentlich nicht. Ich habe mich auf eine E-Mail beworben, die ich über einen Verteiler bekommen habe. Und dann wurde ich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Das war ziemlich schlimm. Man hat mich in einem Café getroffen und nicht in der Redaktion, wahrscheinlich sollte das eine lockere Atmosphäre generieren. Dann wurde ein richtig krasser Wissenstest mit mir gemacht. Die erste Frage war, wo ich mich besser auskenne, in der Innen- oder Außenpolitik? Da habe ich Innenpolitik gesagt. Das war schon ein schwerer Fehler. In der Zeit davor habe ich zugegebenermaßen wenig Zeitung gelesen, ich habe nur die wichtigsten Tagesnachrichten mitbekommen. Ich musste dann detailliert über die NRW-Wahl diskutieren und das war für mich sehr schwierig.
Wie läuft denn ein normaler Praktikumstag beim Cicero ab?
Es war so, dass die Online-Praktikanten auch für die Internetseite zuständig waren. Das heißt immer abwechselnd musste dann einer von uns die Internetseite bauen – und zwar von zuhause aus. Normalerweise bin ich dann gegen sieben aufgestanden und habe die Seite gebaut. Im Anschluss daran bin ich in die Redaktion gefahren. Wir haben meistens an unseren Geschichten recherchiert. Eine weitere Aufgabe waren die “Querschüsse”, das sind Leserempfehlungen der ganzen Redaktion. Jedenfalls offizell. Inoffiziell haben das aber zum größtenteil die Praktikanten und der Online-Chef gemacht. Ansonsten saßen wir im Konferenzraum der Redaktion, hatten also keine eigenen Arbeitsplätze und mussten an unseren eigenen Laptops arbeiten. Dafür hatten wir eine sehr schöne Aussicht über den Tiergarten, den Reichstag und über das Denkmal der ermordeten Juden.
Was habt ihr gemacht, wenn ihr nicht recherchiert habt?
Dann haben wir mit der sehr netten Sekretärin Möbel verrutscht. Zu der Zeit war gerade der neue Chefredakteur Michael Naumann beim Cicero und der wollte auch etwas an der Inneneinrichtung verändern. Und da haben wir ihm irgendwelche Spiegel hin und her getragen und Obstschalen von A nach B verrutscht.
Welche Geschichten konntest Du beim Cicero letztlich machen, gibt es eine auf die Du stolz bist im Nachhinein?
Meine coolste Geschichte war bei der Leipziger Buchmesser. Ich habe mir erkämpft dorthin fahren zu dürfen und habe da einen bosnischen Autor interviewt.
Wie hast Du denn die Redaktion des Cicero erlebt, was sind das für Leute, die dort arbeiten?
Generell sind die alle ganz nett. Auffällig war, dass dort kaum Frauen gearbeitet haben. Die einzige Frau war die Politikkorrespondentin – das war schon ein starker Männerladen. Die Sekretärin war auch noch eine Frau. Für eine Redaktion war es sehr, sehr ruhig in den Fluren und Büros. Meistens waren nur fünf Redakteure anwesend. Es ist eben ein Autorenmagazin, dass heißt sie kaufen sich ihre Beiträge von außen ein und deshalb gab es dort wenig Hektik. Dem Chefredakteur Herr Naumann war es aber immer noch zu laut. Er hatte eine Rundmail verschickt, in der er dazu aufrief ruhiger zu sein. Für uns war das vollkommen unverständlich, denn es herrschte ja schon Totenstille. Dann wurden die Türen noch zu gemacht und dann war es ganz ruhig.
Hattest Du denn engeren Kontakt zu einzelnen Redakteuren, konntest Du dir die Tricks der parlamentarischen Berichterstatter ein wenig abschauen?
Weniger. Das fand ich auch sehr schade. Als Praktikanten saßen wir in diesem einen Raum und waren etwas isoliert. An den wöchentlich stattfindenden Redaktionssitzungen durften wir auch nicht teilnehmen.
Was hat Dich noch am Praktikum gestört?
Mir ist es dort das aller erste Mal passiert, dass ich mich als Frau diskriminiert gefühlt habe. Das muss ich tatsächlich so sagen. Es gibt zwei Geschichten dazu: Während einer Redaktionsitzung der Online-Redaktion hieß es, Gina, Du schreibst jetzt Protokoll. Das habe ich auch gemacht. Danach habe ich erfahren, dass es vorher und hinterher noch nie ein Protokoll gegeben hat. Und ich war die einzige Frau im Raum und es war klar, dass ich die Sekretärin spiele und das Protokoll schreibe. Das wurde ich auch nicht gefragt, sondern ich hatte es zu schreiben.
Die andere Geschichte ereignete sich am zweiten Tag meines Praktikums. Die Redaktion hatte gerade eine interne Besprechung und es war schon halb sieben. Ich bin dann mit den anderem Praktikanten nach Hause gegangen, weil wir in der Regel gegen 18 Uhr Schluss hatten. Ich hatte mich aber nicht abgemeldet. Am nächsten Tag wurde mir aber genau das vorgeworfen. Es könne nicht sein, wie ich mich verhalte. Da war ich dann schon sehr irritiert und habe dann die anderen beiden männlichen Praktikanten gefragt, ob sie sich immer abgemeldet hätten. Sie sagten, sie hätten das auch nur selten gemacht und da gab es nie eine Beschwerde.
Als ich zur Leipziger Buchmesse wollte, da hatte der andere Praktikant auch eine Geschichte vor Ort und da hieß es sofort, er darf da hinfahren. Während ich um meine Geschichte kämpfen musste, die wurde anfangs abgelehnt, nur weil ich für 10 Euro mit der Mitfahrgelegenheit gefahren bin, durfte ich die Geschichte noch machen. Während andere ihre Themen durchbekommen haben, hatte ich als Frau vielmehr Probleme.
Was hast Du aus dem Praktikum mitgenommen?
Dass man sich als Frau durchbeißen muss. Das habe ich wirklich gelernt, ich habe lange überlegt, ob ich das Praktikum abbreche. Journalistisch habe ich da nicht so viel Neues mitgenommen. Was ich mir erhofft hatte, dass man mit spannenden Journalisten zu tun hat, die einem hier und da weiterhelfen können, das hat sich leider überhaupt nicht bewahrheitet.
Gina Apitz studiert Journalistik an der Universität Leipzig. Sie arbeitet für Tageszeitungen und Fernsehsender unter anderem für die Mitteldeutsche Zeitung, Berliner Zeitung, Zitty, Tagesspiegel und Pro Sieben.


Ich arbeite als freier Journalist in Berlin. Meine Schwerpunkte sind Bildung, Politik und Stadtkultur. Erfahren Sie mehr
35 comments
Jessica Vanscheidt says:
Sep 1, 2010
Meine Erfahrungen beim Cicero waren gegenteilig: Die hier beschriebenen „Diskriminierung“ und „Ausbeutung“ fand nicht statt. „Wenn Du gute Ideen hast, unterstützen wir Dich, wenn die Ideen nicht relevant sind, musst Du im Tagesgeschäft helfen, was langweilig ist“, war die Prämisse.
Ab Tag eins wusste ich also, worauf ich mich einlasse. Ich konnte fast alle meine Vorschläge durchbringen. Über 15 Veröffentlichungen während meines Praktikums folgten. Auch ich konnte nicht alle Themen realisieren, wie z.B. einen Artikel über das Jubiläum von Haribo. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass der Goldbär kürzlich Geburtstag gefeiert hatte und es insgesamt sicher spannendere Themen gäbe. Ich bin sicher, dass das mit Frauenfeindlichkeit nichts zu tun hatte.
Auch ich hatte zuvor die Zeitungen nicht auswendig gelernt und habe daher v.a. kulturelle Themen bearbeitet, doch eine gute politische Grundbildung kann ein politisches Magazin doch voraussetzen oder? Die Wahl in NRW war eine Zeit lang DAS Thema in den Medien.
Die einzigen Routinearbeiten waren das morgendliche Gestalten der Seite, ab und an einen Artikel einpflegen – Dauer etwa 1,5 Stunden an jedem zweiten Tag (auch für den männlichen Praktikanten). An diesen Tagen musste ich zwischen elf und zwölf im Büro sein, wieso Gina um sieben aufgestanden ist, verstehe ich nicht. Auch sonst mussten wir Praktikanten erst um zehn im Büro sein. Möbel gerückt habe ich nie, aber wenn eine Hand von Nöten war, habe ich natürlich angepackt.
Ich finde die Darstellung falsch, denn mein Praktikum bei Cicero war sehr fair und interessant. Die Bezahlung war branchenüblich nicht zum Überleben geeignet, aber das wusste ich vorher.
Ein paar Links zu meinen Beiträgen:
Expo: http://cicero.de/97.php?ress_id=9&item=4996
Agent Nordkorea: http://cicero.de/97.php?ress_id=9&item=4987
Thomas Hoepker: http://cicero.de/97.php?ress_id=9&item=5197
Bundeswehr: http://cicero.de/97.php?ress_id=9&item=5192
Amerikaner probiert 52 Jobs: http://cicero.de/97.php?ress_id=9&item=5113
Markus Kavka: http://cicero.de/97.php?ress_id=9&item=5096
Frida Kahlo-Austellung: http://cicero.de/97.php?ress_id=9&item=5003
Besten Gruß, Jessica
admin says:
Sep 1, 2010
Liebe Jessica Vanscheidt,
vielen Dank für deinen Kommentar – es ist immer spannend weitere Perspektiven kennen zu lernen! Schön, dass Du so positive Erfahrungen gemacht hast.
Laurence
Marcel says:
Sep 2, 2010
Liebe Frau Vanscheidt,
sie sind mir unsympatisch.
Viele Grüße
Marcel says:
Sep 2, 2010
unsympathisch
Jeeves says:
Sep 2, 2010
ja, ja, …spannend, spannend, alles ist immer “spannend”.
Mädels & Jungs: es gibt noch reichlich andere Adjektive um etwas positiv zu umschreiben.
BenZol says:
Sep 2, 2010
Liebe Frau Vanscheidt,
die Darstellung finden Sie also falsch. Darf ich fragen, was Sie dabei stört? Die hier aufgeführten (und in dubio pro reo wahren) Episoden aus dem Redaktionsleben bei Cicero oder die Wertung und Interpretation durch Gina? Oder halten Sie es gar für falsch, so einen tendenziösen Artikel überhaupt zu veröffentlichen? Hätten Sie dann auch Probleme mit einem zu positiv gefärbten Artikel – Marcels Reaktion (auf ihre Darstellung) ähnlich?
Gruß
Jonas says:
Sep 2, 2010
Und der Kommentar von Fran Vanscheidt soll jetzt was genau belegen? Wenn sie gute Erfahrungen beim Cicero gemacht hat, dann kann zwangsweise niemand anderes schlechtere Erfahrungen machen? Alle Praktika bei Cicero sind gleich? Ein weiterer Kommentar ist eine weitere Meinung, die hilft sich ein Bild zu machen; aber der darin enthaltene Absolutheitsanspruch diskreditiert ihn auch schon wieder.
GinaLisa says:
Sep 2, 2010
Liebe Gina,
würde sagen dein Praktikum war ein Griff ins Klo, und ein gutes Beispiel für das Praktikantengeschäft heutzutage. Mir gefällt aber der Gedanke nicht das man weil man Protokoll schreiben muss wegen seines Geschlechts diskriminiert wird. Da ist bestimmt auch ein bichen beleidigte Leberwurst im Spiel. Nachdem Du ja beim Fernsehn warst kennst du ja sicher die Umgangsformen dort, und die sind immer vorbildlich. Da wenn ein Praktikant sich einfach verdünnt ohne Bescheid zu geben dann gibts eine Ansage, egal ob männlich oder weiblich. Naja ein dickeres Fell braust wohl noch, ansonsten Kopf hoch und durch.
Tomtom says:
Sep 2, 2010
Eine Praktikantin mußte also mal Möbel verrücken ….. – tragisch ….. ^^
Aber beim nächsten Praktikum reichte es bestimmt gleich für den Platz des Chefredakteurs
Verzeihung, der ChefredakteurIN natürlich.
RoLand says:
Sep 2, 2010
Eine Diskriminierungserfahrung zum Ausdruck persönlicher Schwäche oder Überempfindlichlkeit umzudeuten ist nicht nur feinste neoliberale Leistungs- und Versagensrhetorik, sondern auch ein klassischer antifeministischer Abwehrreflex. So alt wie ärgerlich.
Jessica Vanscheidt says:
Sep 2, 2010
Einleitung: “Beim Cicero-Magazin wollte Gina Online-Journalismus lernen. Stattdessen rückte sie Möbel hin und her.”
Ich würde gerne von Gina wissen, wie viel Arbeitszeit der 7h täglich das Möbel-Rücken in Anspruch genommen hat, damit es eine solche Darstellung erlaubt?
Ein weiteres Beispiel einer falschen Darstellung: Gina musste um sieben aufstehen. Keinem Leser erschließt sich hierdurch, dass die Arbeit erst um zehn begann und die Seite nicht außerhalb der regulären Zeit gemacht werden musste. Man ging einfach später ins Büro. Gina hat dann offenbar für die Arbeiten drei mal so lange gebraucht, wie andere oder sie ist gependelt o.ä.. Das soll sie dann bitte auch dazuschreiben.
Die Frauenfeinlichkeit der Redaktion widerspricht meinen Erfahrungen als Frau zu 100%.
Gina hat schlechte Erfahrungen bei Cicero gemacht, das ist schade. Medienpraktikanten werden oft ausgebeutet, das ist trautig. Aber diese Darstellung verdreht die Wahrheit zu Ginas Gunsten und hängt sich an Kleinigkeiten auf, was MIR unsympathisch ist.
Beste Grüße,
Jessica
Nils says:
Sep 2, 2010
Ich finde es nicht in Ordnung, dass hier öffentlich aus dem redaktionellen Alltag berichtet wird. Jedes Praktikum hat gute und schlechte Seiten. Das gehört in ein Abschlussgespräch; oder man sagt nach zwei Wochen: Sorry Leute, es gefällt mir hier nicht, das war’s.
Ansonsten sei allen Medien-Praktikanten gesagt: Wenn ihr in eine Redaktion geht, von deren Alltag ihr nichts wisst, habt bitte auch keine Erwartungen!
Informiert euch im Vorfeld, welchen Ruf die Redaktion hat und was euch dort konkret erwartet. Besprecht mit euren Vorgesetzten, was ihr wollt und warum gerade ihr zu diesem bestimmten Medium passt wie der Deckel auf den Eimer. Wenn diese grundsätzliche Beziehung nicht passt, lasst es doch! Ihr helft euch selbst nicht und der Redaktion seid ihr ein Klotz am Bein.
Jeder findet seine passende Redaktion, aber ihr müsst auch mit ganz individuellen, spezifischen Fähigkeiten und Lernhaltungen kommen, sonst kann es nicht funktionieren. Also: Seid bitte etwas wählerischer und euch selbst gegenüber anspruchsvoller, liebe Medienpraktis.
BenZol says:
Sep 2, 2010
@Jessica: Dein Commitment in Ehren, aber Cicero braucht bestimmt keine Ex-Praktikantin (Dich) als Leumund. Das kommt alles sehr dogmatisch und unreflektiert rüber (“weil nicht sein kann, was nicht sein darf”). Dogmatiker – egal welcher Richtung – kommen heutzutage nun mal immer ein bißchen unsympathisch rüber.
@Nils: “Ich finde es nicht in Ordnung, dass hier öffentlich aus dem redaktionellen Alltag berichtet wird.” Gibt es dafür auch irgendein Argument, das auch nur entfernt logisch untermauert werden könnte? Ist es denn in Ordnung wenn Journalisten beispielsweise den Arbeitsalltag von Lobbygruppen öffentlich machen? Das ist ok, sagst Du? Aber nicht in der Redaktion selbst? Heuchler!
admin says:
Sep 2, 2010
@Nils:
“Ich finde es nicht in Ordnung, dass hier öffentlich aus dem redaktionellen Alltag berichtet wird.”
Die Idee des Formats ist, dass Medienpraktikanten aus dem Redaktionsalltag erzählen und über ihre Erfahrungen berichten. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass meine Gesprächspartner Kritik und Lob nicht nur im Abschlussgespräch formulieren, sondern mit der Öffentlichkeit teilen. Es hilft hoffentlich auch angehenden Praktikanten sich zu infomieren.
Beste Grüsse:
Laurence
Nils says:
Sep 2, 2010
Ich sehe kein öffentliches Informationsinteresse gegeben, wenn eine Praktikantin darüber berichtet, sie habe Protokoll schreiben müssen und das sei ja total fies. Das ist nicht von Interesse für die Öffentlichkeit, sondern freilich eine Lappalie.
Ich sehe das kritisch, weil hier das Redaktionsgeheimnis oder zumindest das vertrauensvolle Verhältnis der Redaktionsmitglieder untereinander berührt ist.
Wenn ich eine Hilfskraft/Praktikant beschäftige, muss ich nicht unbedingt damit rechnen, dass individuelle Einschätzungen des Arbeitsalltags in einer bestimmten Redaktion gleich an die Öffentlichkeit geraten. Im konkreten Fall ist das, s.o., auch total unnötig.
Christian says:
Sep 2, 2010
@Nils Thumbs up!
Winnie says:
Sep 2, 2010
@ TomTom.
Wieso ist es Aufgabe von Redaktionspraktikanten, Möbel zu rücken. Ist das die typische Arbeit der Redaktion, also etwas, was Praktis sehen und lernen sollen? Oder doch eher die Abteilung “billige Arbeitskraft ausbeuten”? Diese Praktikantenunwesen im Medienbereich ist wirklich erschreckend… Kriegen keine Honorierung, dürfen aber Leistung bringen und auch noch die eigene Technik stellen. Das finde ich wirklich frech!
@ Nils.
Selbstverständlich darf man auch aus Redaktionen berichten. Schließlich sind die Redakteure ja auch nicht zimperlich, wenn es um die Berichte aus anderen Bereichen geht.
Jessica Vanscheidt says:
Sep 2, 2010
Mir ist es völlig egal, ob mich jemand als Leumund braucht oder nicht . Ich habe einfach andere Erfahrungen mit derseleben Redaktion gemacht. Das Diskriminierungsargument ist von daher schwer zu begründen, dass ich als Frau nicht diskriminiert wurde. Erklärt mir das mal einer?
Ich glaube nicht, dass die Seite nur ins Leben gerufen wurde, um von schlechten Erfahrungen zu berichten.
Comicfreak says:
Sep 2, 2010
[...] Gelöscht, bitte argumentieren Sie sachlich und wahren Sie die Umgangsformen. Vielen Dank.
Sebastian says:
Sep 2, 2010
Hallo,
ich komme glücklicherweise aus einer anderen Branche, in der man nicht mit “logischen” pseudosozialphilosophischen Trollen diskutieren muss und arme Schäffchen sofort geschlachtet werden. Nach einem kurzen Praktikum wartet normalerweise der 50k Job. Nicht böse nehmen.
Hier werden – wie Nils schon sagte – Lappalien von Gina beschrieben.
Ich empfehle dir Gina, dieses peinliche Interview zurückzuziehen, denn als Arbeitgeber würde ich dich nach diesen Statements nicht einmal als Praktikantin einstellen und wir lesen alle im Internet.
@ Laurence: Es ist wichtig Perspektiven – richtige und falsche, guten und schlechte – zu beschreiben, aber Gina tut sich mit diesem Interview keinen gefalle und Perspektiven sollten einen Mehrwert haben, man sollte daraus etwas lernen können. (Vor 5 Jahren, als ich noch studierte, machte ich ein Praktikum, nach einen Monat kündigte ich und ich wurde festangestellt.) Darüber hinaus sollte dir – als Interviewenden – etwas mehr Verantwortung obliegen.
Gruß Sebastian.
tdelüt says:
Sep 2, 2010
ja, das ist schon echt eine sauerei, dass die redaktion nicht die handwerker gerufen hat als es darum ging, die möbel zu verrücken.
muss mich jessica anschließen:
wenn du journalistin werden willst, dich bei einem politischen magazin gewirbst, dich aber offenkundig nicht für politik interessierst (siehe NRW-wahl), dann brauchst du dich nicht wundern, wenn du nur den hiwi in der redaktion machst.
dass der chefradakteur das protokoll nicht selber geschrieben hat, ist auch wirklich ne sauerei. und dass du das als praktikantin machen musst, geht ja wohl gar nicht. auf zum arbeitsgericht, aber zackig!
admin says:
Sep 3, 2010
@Sebastian: Lieber Sebastian, Gina kennt die Medien gut genug, um zu wissen, was sie in der Öffentlichkeit sagen möchte und was nicht. Ich glaube kaum, dass ich sie vor sich selbst schützen muss. Das Interview wurde von ihr zuvor autorisiert, mögliche Folgen haben wir besprochen. Den Mehrwert des Interviews magst Du nicht sehen, andere sehen ihn. Ansichtssache!
@Jessica Vanscheidt: Hier sollen gute wie schlechte Erfahrungen zu Medienpraktika zusammengetragen werden. Insofern bin ich dir dankbar, dass Du deine Sicht der Dinge geschildert hast!
@Nils: Nils, dann bin ich ja froh, dass Du nicht allein festlegst, wo öffentliches Informationsinteresse besteht. Im Gespräch ging es meiner Meinung nach nicht um Redaktionsgeheimnisse oder andere brisante Interna: Wo siehst Du die denn genau berührt?
admin says:
Sep 3, 2010
@all: Vielen Dank jetzt schon mal für die rege Diskussion. Laurence
Mett says:
Sep 3, 2010
“Dafür hatten wir eine sehr schöne Aussicht über den Tiergarten, den Reichstag und über das Denkmal der ermordeten Juden.”
Na dazu meine herzlichsten Glückwünsche.
RoLand says:
Sep 3, 2010
@ J. Vanscheidt: Ich meinte Ginas Erlebnisse. Sie sagt nicht: Wie gemein, ich musste Protokoll schreiben und wurde angeschnauzt, als ich mal früher gegangen bin. Sie sagt: Schon auffallend, dass mir das so passiert ist und meinen männlichen Praktikantenkollegen nicht – obwohl sie in der gleichen Situation bzw. Position waren. Die Erzählungen lassen doch zumindest vermuten, dass es vielleicht was mit Diskriminierung zu tun hatte. In der Diskussion wird das aber vollkommen unterschlagen. Die erweckt den Eindruck, sie sei ein überempfindliches, bockiges Mädchen, das nicht mitmachen wollte, was alle anderen auch machen müssen. Aber genau so scheint es ja nicht gewesen zu sein. Und dann auch noch mit altklugen, gönnerhaften „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“-Sprüchen zu kommen, ist so was von anmaßend, dass es einem die Schuhe auszieht.
Nils says:
Sep 3, 2010
Also, ganz kurz abschließend. Die junge Dame berichtet hier, sie habe sich aus verschiedenen Gründen in der Redaktion nicht wohl gefühlt. Öffentlich wirken viele dieser Schilderungen wie Anschuldigungen.
Erstens werden diese Anschuldigungen Gina nicht gerade helfen, ihr Image als seriöse Journalistin aufzupolieren. Die beschriebenen Redakteure werden sich zumindest nicht darüber freuen, dass eine Praktikantin hier so öffentlich und offen aus dem Nähkästchen plaudert sowie Interna (z.B. mutmaßliches Möbelrücken, mutmaßliche Art und Weise der Redaktionskonferenzen) auspackt. Kein Redakteur freut sich darüber, denn die Redaktion ist ein sehr geschützter Raum und das Vertrauensverhältnis zu den Praktikanten wird dadurch erheblich gestört.
Die Kritikpunkte, wie sie Gina hier nennt, empfinde ich eher als höchst subjektives Getratsche und weniger als wichtige Informationen, deren Veröffentlichung schwerer wiegt als das Redaktionsgeheimnis des Cicero-Teams. Ginas Verhalten ist darüber hinaus nicht kollegial, anscheinend will sie nie wieder irgendetwas mit dem Cicero zu tun haben – sonst würde sie hier nicht dermaßen fragwürdige Kritik äußern.
Skythe says:
Sep 3, 2010
@Nils:
Das “Redaktionsgeheimnis” schützt Quellen und Informanten. Das hat mit Ginas Interview oben absolut nichts zu tun.
Malt sich da ein Arbeitgeber gerade aus, womit seine eigenen Praktikanten auspacken würden? Oder bist du nur generell gegen freie Meinungsäußerung und Informationsfluss?
Dann weiß ich aber nicht, was du hier in diesem Blog oder ganz allgemein im Internet tust.
@Sebastian
Das Ausbeuten von Menschen damit zu rechtfertigen, dass sich in “deiner Branche” nach der Tortur auch unmenschliche Summen Geld verdienen ist beste marktliberale Denke und, ja, unmenschlich.
Du würdest Gina nach ihrem Interview nicht einstellen?
Sie würde nach deinen Aussagen auch sicher nicht bei dir anfangen…
marko says:
Sep 3, 2010
Gelöscht – Argumentieren Sie bitte sachlich! Vielen Dank.
Lothar says:
Sep 3, 2010
> Kein Redakteur freut sich darüber, denn die Redaktion ist ein sehr geschützter Raum und das Vertrauensverhältnis zu den Praktikanten wird dadurch erheblich gestört.
In dem geschützten Raum scheint aber eine Menge Ausbeutung abzulaufen (in anderen Fällen wahrhscheinlich krasser als in diesem). Da tut ein bisschen Öffentlichkeit und mehr Respekt der Redakteure gegenüber den (potentiell “verräterischen”) Praktikanten doch ganz gut.
mcbain says:
Sep 4, 2010
@Nils. Nach deiner Argumentation hätte ein Herr Wallraff also schön die Klappe halten sollen… fällt ja alles unters “Redaktionsgeheimnis” ?!
TomTom says:
Sep 4, 2010
Gina – was gar nicht geht: Nach einem Praktikum voller Larmoyanz und Selbstdarstellungstrieb irgendwelche Redaktionsinterna ausplaudern! Damit tust Du anderen Praktikanten keinen Gefallen. Ich jedenfalls werde mir als Redaktionsleiter in Zukunft gut überlegen, ob und wann ich junge Kollegen überhaupt noch Einblick gebe in redaktionsinterne Abläufe. Was habe ich davon, wenn Monate später eine PR-geile Studimaus ihr von Frust und Profilneurose durchweichtes Tagebuch ins Internet stellt?
Für die Zukunft alles Gute, Tom
RoLand says:
Sep 5, 2010
@ tomtom: Larmoyant kommen mir eher Beiträge wie Deiner vor.
TheGurkenkaiser says:
Sep 5, 2010
@TomTom
Nach dem Beitrag mit “Studimaus” hat keiner mehr Zweifel, dass bei Euch ein archaische Machokultur am Werk ist.
TheGurkenkaiser says:
Sep 5, 2010
Hübsch auch, die Tatsache, vollzeit Arbeitskräfte zu mini-Löhnen zu beschäftigen gönnerisch als “Einblick gewähren” rauszukehren. Machoarroganz, dein Wohnheim heißt Cicero!
Marcus Tullius says:
Sep 5, 2010
TomTom ist kein Cicero-Redakteur.