Die Freie Universität sucht unter Hochdruck einen neuen Präsidenten. Zwei Kandidaten sollen nun antreten.

Peter-André Alt im Interview auf taz.de

Die Freie Universität hat gestern ihre Präsidentschaftskandidaten nominiert. Wie zu erwarten, wurde der Literaturwissenschaftler Peter-André Alt nominiert. Überraschenderweise soll auch die Politologin Christiane Lemke antreten. Der dritte Anwärter, Informatikprofessor Raúl Rojas, hatte am gestrigen Mittwoch in einer nicht-öffentlichen Beratungssitzung des Akademischen Senats seine Kandidatur zurückgezogen.

Im letzten Herbst hatte sich Dieter Lenzen, bisheriger Präsident der FU Berlin, überraschend nach Hamburg verabschiedet. Dort leitet er seit März die Universität. Seitdem sucht die FU nach neuem Führungspersonal. Die Zeit drängt: Im September enden die Fristen für den nächsten Exzellenz-Wettbewerb. In diesem Wettbewerb konkurrieren die Hochschulen der Bundesrepublik mit Forschungs- und Zukunftskonzepten um Fördermillionen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Peter André Alt gilt als Favorit, die professoralen Gruppen mit der Mehrheit im Akademischen Senat haben sich offenbar schon auf ihn verständigt. Alt hat an der FU Berlin studiert und gelehrt, seit 2005 ist er Professor an der Freien Universität. Er kann durch bisherige Erfahrungen im Exzellenz-Wettbewerb punkten unter anderem ist er Leiter der Dahlem Research School. Alt will unterschiedliche Konzepte an der FU umsetzen, sollte er zum Präsidenten gewählt werden. “Ich plädiere für einen achtsemestrigen Bachelor in den Geisteswissenschaften”, sagte Alt im taz-Interview. In der Hochschulfinanzierung wolle er neue Wege gehen, beispielsweise durch den internationalen Verkauf von Online-Seminaren. Zudem setze er auf einen “transparenten Kommunikationsstil” an der Uni: “Ich möchte nicht taktieren”. Sein Vorgänger Dieter Lenzen war wegen seines autoritären Führungsstils immer wieder in die Kritik geraten.

Christiane Lemke studierte ebenfalls an der Freien Universität, hat Leitungserfahrung als Direktorin der niedersächsischen Landtags gesammelt. Zudem ist sie Politikprofessorin an der Uni Hannover. “Ich setze mich für die Internationalisierung und Vernetzung der FU ein”, sagte Lemke. Auch sie hat keine politischen Seilschaften an der Hochschule. Darin sehe sie jedoch eher einen Vorteil, betont Lemke: “Für die Freie Universität wäre es eine Chance, die hochschulpolitischen Lager zu überwinden.”

Die Präsidentschaftswahlen finden am 12. Mai statt.