Wir Medienpraktikanten: RBB Abendschau

Kaum eine Branche beschäftigt mehr Praktikanten. Sie schreiben für die Zeitung, füllen die Webseiten, produzieren Radiobeiträge. Alles meist lernwillig und unbezahlt. In der Interviewreihe berichten Medienpraktikanten von ihren Erfahrungen zwischen Newsroom und Teeküche. Welches Praktikum hat sich gelohnt, welches nicht. Wie landet man einen Praktikanten-Scoop und was bleibt vom Medienrauschen?


Adrian hat ein mehrmonatiges Praktikum bei der Produktionstechnik der RBB-Abendschau gemacht. Lokalfernsehen in Reinform. Im Interview erzählt der Student was beim RBB wirklich nervt, was gut war und wann RBB-Reporter sich richtig reinknien. Wenn Du auch ein Medienpraktikum hinter dir hast und darüber berichten magst, dann schreib mir eine Mail!

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Ein Auszug aus dem Interview:

Adrian, warum die Abendschau und wie bist Du an das Praktikum gekommen?

Ich wollte beim Fernsehen reinschauen und die Abläufe kennenlernen. Ein Bekannter von mir kannte einen ehemaligen SFB-Mitarbeiter und der hat ein bisschen herumtelefoniert. Über dessen ehemaligen Kollegen bin ich dann bei der Abendschau gelandet.

Welche Aufgaben hattest Du als RBB-Praktikant?

Im Praktikum hatte ich nicht wirklich Aufgaben. Ich war eher da, um über die Schulter zu gucken. Mir kam das eher wie ein Schnupperpraktikum vor.  Wenn ich mit dem Team rausgefahren bin, habe ich trotzdem mitgeholfen, was die Motivsuchen anging. Ich habe auch mal den Monitor getragen und eingestöpselt oder mal Sachen aus dem Auto geholt. Es lief im Endeffekt aber darauf hinaus, dass ich  im Grunde immer nur das Stativ getragen habe.

Um welche Themen durftest Du dich kümmern?

Als ich da war, war S-Bahn und Wintereinbruch sehr aktuell.  Das hat die Reporter ziemlich aufgeregt, weil sie eigentlich immer das gleiche Thema hatten. […]

Wenn die Abendschau ein Gesicht hat, dann das von Ulli Zelle. Der ist seit Jahrzehnten rasender Reporter beim RBB. Du konntest ihn treffen – wie wars?

Da kriegte ein Mensch eine Auszeichnung von Horst Köhler, dem Bundespräsidenten, für seine Verdienste in der Altenpflege. Da sind wir mit Ulli Zelle hingefahren. Man merkt schon, das ist ein absoluter Vollprofi. Er ist schon irgendwie ein Star und lebt das dann auch. Der kriegt sofort den Kaffee in die Hand gedrückt und kriegt auch noch einen Kuchen und so kleine Pralinen. Dann wird sofort alles aufgebaut und er geht durch die Wohnung und schaut sich um. Dann macht er kurz das Interview: Zack, zack, zack! Das geht ganz schnell. Das ist sehr entspannend und nicht so aufgeregt wie bei den anderen Reportern gewesen. Bei den anderen hatte ich das Gefühl, das ist Arbeit. Bei Ulli Zelle hatte ich das Gefühl, es ist ein Hobby – das hat mich beeindruckt.

Kommen wir zur Kritik: Was hat dir an der Abendschau überhaupt nicht gefallen?

Insgesamt ist Berlin mittlerweile eine Weltstadt und wenn man die Abendschau guckt, denkt man, man sei immer noch in einem Provinznest. Das hat auch viel mit der Struktur im RBB zu tun. Die sitzen dort draußen in Westberlin in diesem alten Gebäude. Die haben dort immer noch dieses Inselgefühl. Das ist mir zum Beispiel aufgefallen, als ich mit einer älteren Reporterin losgezogen bin. Wir saßen im Auto und es musste ein Beitrag gedreht werden, da meinte sie: Oh ja, glücklicherweise müssen wir heute nicht in den Osten. Das fand ich übel. Ich finde das ist beispielhaft für den Umgang mit einer Stadt.


Wir Medienpraktikanen – kaum eine Branche beschäftigt mehr Praktikanten. Sie schreiben in Tageszeitungen, füllen die Online-Portale, produzieren Beiträge fürs Radio. Das alles meist unbezahlt und lernwillig. In der Interviewreihe berichten Medienpraktikanten von ihren Erfahrungen zwischen Newsroom und Teeküche. Welches Praktikum hat sich gelohnt, welches nicht. Wieso sind Journalisten so zynisch, wie landet man einen klassichen Praktikanten-Scoop und was bleibt vom Medienrauschen?
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